Analyse des Windparks Verenafohren aus Sicht von Gegenwind Chroobach
1. Projekt & Realisierung
Projektbeschreibung: Der Windpark Verenafohren wurde 2017 nahe der Schweizer Grenze bei Wiechs am Randen (D) realisiert. Drei Anlagen mit je rund 3,3 MW (Gesamtleistung: 9,9 MW) wurden auf deutschem Boden errichtet. Betreiber sind unter anderem die Stadtwerke Radolfzell sowie Solarcomplex.
Fazit aus kritischer Sicht: Das Projekt wurde auf deutscher Seite verwirklicht, da dort rechtlich und politisch ein einfacherer Zugang bestand. Die unmittelbare Grenznähe zur Schweiz zeigt, dass sich die Auswirkungen (Landschaftsbild, Lärm, Licht) nicht an Landesgrenzen halten. Wäre die Anlage in der Schweiz geplant worden, wäre sie angesichts der sensiblen Umgebung kaum bewilligungsfähig gewesen.
2. Energieproduktion & Rentabilität
Zahlen:
- Initialziel: ≥ 20 Mio kWh/Jahr
- 2021: ca. 19 Mio. kWh (unter Ziel)
- 2023: 24 Mio. kWh (Rekordjahr, +27 % zum Vorjahr)
Fazit aus kritischer Sicht: Der Stromertrag ist stark vom Wetter abhängig. Schwankungen zwischen Sommer und Winter zeigen, dass Windenergie keine konstante Versorgung bietet. Zudem bleibt fraglich, ob die theoretisch versorgten «Personenzahlen» realistisch sind – denn sie beziehen sich nicht auf echte Haushalte, sondern auf rechnerische Durchschnitte. Auch die Betriebskosten und Subventionen werden selten transparent kommuniziert.
3. Ökologische Auswirkungen
Aussagen der Betreiber: Laut Monitoring sollen die Rodungen sogar artenreichere Ränder erzeugt haben. Rehe, Insekten und seltene Pflanzen hätten neue Lebensräume gefunden. Überwacht wurde dies vom BUND.
Fazit aus kritischer Sicht: Diese «positiven Effekte» durch Rodung sind aus ökologischer Sicht fragwürdig. Die Eröffnung von Waldlichtungen durch industrielle Eingriffe fördert zwar einzelne Arten, zerstört aber das Gleichgewicht geschlossener Lebensräume. Besonders für Fledermäuse und Greifvögel stellen Windräder erhebliche Risiken dar. Studien zu Schlagopfern bleiben oft unvollständig oder werden unter Verschluss gehalten.
4. Politische Rahmenbedingungen
Situation: Das Projekt wurde in Deutschland relativ zügig umgesetzt. Die rechtlichen Hürden sind dort niedriger, das politische Umfeld fördert Windkraft deutlich stärker als die Schweiz.
Fazit aus kritischer Sicht: Der Umstand, dass man sich bewusst für einen Standort unmittelbar an der Grenze zur Schweiz entschied, zeigt ein taktisches Ausnutzen länderspezifischer Regelungen. Wären die gleichen Standards wie in der Schweiz angewandt worden (z. B. Landschaftsschutz, Abstandsregelungen), wäre das Projekt wohl kaum umsetzbar gewesen.
5. Windmessungen & Prognoseabweichung
Kritik: Bereits 2018 – einem überdurchschnittlichen Windjahr – lagen die Erträge ca. 23 % unter der Prognose. Aussagen der Betreiber wie «es funktioniert» ignorieren, dass wirtschaftliche Ziele nur punktuell erreicht wurden.

Fazit aus kritischer Sicht: Wenn schon in Spitzenzeiten die Erträge merklich unter den Gutachtenswerten bleiben, ist Zweifel angebracht: Wie belastbar sind diese Basisannahmen? Investiert wird trotzdem – die Betreiber profitieren, auch wenn Versprechen nicht eingehalten werden.
Update: Wir stellten vor Kurzem fest, dass die Webseite des Windparks Verenafohren mittlerweile auch Statistiken über die Stromproduktion liefert.
Mehr erfahren Sie hier.
6. Fazit aus Sicht von Gegenwind Chroobach
Der Windpark Verenafohren wird von seinen Betreibern als Erfolg gefeiert. Aus unserer Sicht zeigt er aber exemplarisch, welche kritischen Punkte ein solches Projekt mit sich bringt:
- Standortwahl am Rande oder auf Kosten geschützter Natur
- juristische Ausweichstrategien
- ökologische Nebenwirkungen, die geschönt dargestellt werden
- eine Stromproduktion, die wetterabhängig und inkonstant ist
- intransparente wirtschaftliche Daten
Verenafohren ist ein Lehrstück dafür, wie Windkraftprojekte funktionieren – aber nicht für Mensch, Natur und Ehrlichkeit.
